Fruktan - Die Gefahr im Heu und Gras!

Die Weiden, auf denen unsere Pferde heute stehen, sind nicht mehr mit denen von früher zu vergleichen. Heute werden vor allem energie-, protein- und zuckerhaltige Grassorten angebaut, die für Kühe zwar optimal, für Pferde dagegen ungeeignet sind.
Blogbeitrag erstellt am 
20.10.2022
 

Die Wildpferde waren es gewohnt, sich von kargen Wiesen mit struppigen Büschen zu ernähren. Deshalb ist das Grasangebot für unsere Hauspferde meist zu üppig. Ebendiese gesäten Grassorten enthalten meist sehr viel Fruktan, das problematisch für Pferde sein kann.

 

Was ist eigentlich Fruktan?

Fruktan, auch Fructosan, ist ein pflanzliches Reservekohlenhydrat, das vor allem in den Gräsern der gemäßigten Klimazone gebildet wird. Ein bedeutendes Reservekohlenhydrat für viele höhere Pflanzen ist Stärke. Eine aber nicht unbedeutende Anzahl von Pflanzen­arten speichern jedoch nicht Stärke als Haupt­reservekohlehydrat sondern Saccharose und Fruktan. Es ist ein langkettiges Kohlenhydrat, welches in Pflanzen als kurzzeitiger Energiespeicher dient. Es wird hauptsächlich im Stängel der Pflanze gespeichert. Als langfristiger Energie­speicher dient hingegen Stärke, welche in den Blättern der Pflanze gespeichert wird.

 

Wann produziert die Pflanze Fruktan?

Durch die Photosynthese produziert die Pflanze Energie. Kann die Pflanze wachsen, wird die bereitgestellte Energie in das langkettige Struktur­kohlenhydrat Zellulose umgewandelt. Kann die Pflanzen nicht wachsen, aufgrund von Kälte, Hitze oder Wassermangel, wird die produzierte Energie hingegen in Form von Fruktan zwischengespeichert. Bei Lichtmangel, nachts oder bei bewölktem Himmel, kann die Pflanze keine Photosynthese betreiben. Sie produziert dann keine Energie. Sind die sonstigen Wachstums­bedingungen optimal, wird Fruktan aus den Energiespeichern zum Wachsen herangezogen.

Wetter Energie­produktion der Pflanze Pflanzenwachstum Fruktan­einlagerung in der Pflanze
Kaltes Wetter (unter 8° C) oder Frost, bedeckt mittel Kein Wachstum hoch
Kaltes Wetter (unter 8° C) oder Frost, sonnig hoch Kein Wachstum extrem hoch
Warmes Wetter, bedeckt oder Regen gering Starkes Wachstum gering
Warmes Wetter, sonnig, ausreichend Niederschlag hoch Starkes Wachstum mittel
Warmes Wetter, sonnig, wenig Niederschlag hoch Wenig Wachstum hoch

Der Fruktangehalt im Gras ist aber nicht nur vom Wetter abhängig. Einer der wichtigsten Einfluss­faktoren auf den Fruktangehalt sind die Pflanzenarten. Fruktanarme Gräser sind zum Beispiel das Knaulgras, Rotschwingel und das Wiesenlieschgras. Zu den frunktanreichen Gräsern zählen Wiesenschwingel und das Deutsche Weidelgras. Aber auch das Vegetations­stadium der Pflanze, Tages- und Jahreszeit, Lichtintensität, Temperatur, Düngestatus sowie Nutzungsintensität der Weide nehmen Einfluss auf den Fruktangehalt.

Viele Pferdehalter befürchten die Folgen einer hohen Fruktan­aufnahme auf hohen, satten Weiden. Der Fruktangehalt ist jedoch im Blatt geringer, als im Stängel. Das Pferd nimmt deshalb auf einer satten Weide pro Kilo Gras weniger Fruktan auf, als auf einer abgegrasten Weide. Eine bei langer Trockenheit verdorrte Weide sieht für uns energiearm aus. Jedoch ist das Gras in diesem Fall sehr gestresst, da es nicht wachsen kann, und lagert viel Fruktan ein. 

Warum ist Fruktan problematisch?

Fruktane werden bevorzugt im Dickdarm durch Bakterien verstoffwechselt und sind rasch fermentierbar. Bei großer Aufnahme kann es zu einer Verschiebung der Darmflora kommen. Der Anteil kohlenhydrat­spaltender Bakterien wächst zum Nachteil der Rohfaserspaltenden. Diese sterben vermehrt ab und geben Endotoxine frei, welche über die geschädigte Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. In der Huflederhaut führen die Toxine zu kleinen Blutgerinseln und verschlechtern so die Durchblutung. Diese Mechanismen können zur Entstehung einer schmerz­haften Hufrehe beitragen. Lange dachte man, dass Eiweiß der Auslöser für eine fütterungs­bedingte Hufrehe ist, doch diese Annahme ist heute überholt. Natürlich hängt die Entstehung einer Hufrehe mit weiteren Faktoren wie Vorerkrankungen, schlechter Hufsituation oder einer allgemein zu kohlen­hydratreichen Fütterung zusammen. Zudem diskutiert man auch, inwiefern mit Gräsern in Symbiose lebende Schimmelpilzgifte (Endophyten) einen Einfluss haben.

Bedenken sollte man auch, dass natürlich auch Raufutter (also z. B. Heu) Fruktan enthält. So können bis zu 80% des Fruktans aus dem Gras im Heu landen. Besonders aufpassen sollte man beim ersten, frühen Schnitt und beim kurzen zweiten Schnitt. Der Gehalt an Zucker im Gras und später auch im Heu hängt unter anderem von der Grassorte, des Schnittzeitpunktes sowie den Umwelt­bedingungen während des Pflanzenwachstums ab.

Zu diesen Umweltbedingungen zählen beispielsweise Temperatur, Lichtintensität und die Verfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen. Auch hängt der Zuckergehalt von der Grasart sowie dem Zeitpunkt der Ernte ab. Nutztierorientierte Hochleistungsgräser sind für die Pferdefütterung ungeeignet. Diese Gräser sind rohfaserarm und enthalten nicht nur mehr Eiweiß und Energie sondern auch einen deutlich höheren Anteil an Zucker, was insbesondere für rehegefährdete aber auch leichtfuttrige Pferde ungeeignet ist.

Ein Zuckergehalt von 10 % im Heu ist nicht selten – im Gegenteil. Dies zeigen verschiedene Heu-Analysen Dabei wurden Zuckerwerte im Schnitt um die 100 g je kg TS (Trockensubstanz) bei Heu vom ersten Schnitt gemessen. Der höchste Wert lag bei 109 g Zucker /kg TS und 96g Fruktan/kg TS.

Das entspricht bei einer Fütterung von 10kg Heu einer Zuckermenge von bis zu 2000g Zucker, die dann in 24h aufgenommen werden. Also 2 Pakete Haushalts­zucker, wie man sie im Supermarkt zu kaufen bekommt. Wenn man bedenkt, dass ein Pferd bei uneinge­schränkter Heufütterung viel mehr als 10kg Heu frisst, erhöht sich auch die daraus resultierende Zuckeraufnahme. 

So gesehen ist die geringe Menge Melasse, die oft in modernen Pferdekraftfutter enthalten ist, vernach­lässigbar. Auch hier ein Rechenbeispiel: SOLAN 482 Combi hat einen Gesamt­zuckergehalt von 5,8%. Dieser Gesamtzucker wird zusammengesetzt aus der zugesetzten Melasse und dem natürlichen Zucker­gehalt der Inhaltsstoffe. Dies entspricht 58g Zucker in einem Kilo oder 87g in einer Tagesdosis des hier exemplarisch genommenen Kraftfutters.

 

Was kann ich also tun, um hohe Fruktanaufnahmen und ihre Folgen zu vermeiden?

Die Weide im Frühjahr düngen. Es mag vielleicht überraschend klingen: Auch der moderate Einsatz von stickstoffhaltigem Dünger hilft gegen hohe Fruktan­konzentrationen, da die heutigen zuckerreichen Hochleistungs­gräser wie Deutsches Weidelgras oder Wiesenschwingel nur auf nährstoffreichen Böden gut wachsen können. Wenn die Nährstoffe fehlen, ist die Pflanze gestresst und produziert Fruktan.

Weiteres ist bei einer Neuansaat oder Nachsaat eine fruktanarme Gräsermischung wählen.

 

Auch beim Beweiden der Flächen sollte auf folgende Punkte Rücksicht genommen werden:

  • spät und langsam anweiden
  • Nach kalten Nächten unter 5°C die Pferde nicht am Morgen auf die Weide stellen
  • An sonnigen Tagen den Koppelgang am späten Nachmittag und Abend meiden
  • Bei extremer Hitze und Trockenheit die Weidezeit verringern oder unterlassen
  • Eine Überweidung der Koppelfläche vermeiden, abgegrasten und abgemähten Wiesen Zeit zur Erholung geben
  • Frühes Abweiden im Herbst, sobald die Nächte kälter werden
  • Die Grasaufnahme im Winter und bei Frost gänzlich vermeiden
Zudem empfiehlt sich bei Futterumstellungen, wie dem Anweiden, die Gabe von Ergänzungs­futtermitteln zur Bindung von Toxinen im Darm z.B. SOLAN Clean up. Die Giftstoffe werden nicht absorbiert, sondern mit dem Kot ausgeschieden. Der Organismus wird so weniger belastet.
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